Jede Hundeart hat so ihre eigenen Eigenschaften. Wenn man sich mit der Frage nach der Anschaffung eines Hundes auseinandersetzt, sollte man sich in jedem Fall sehr intensiv mit den Eigenschaften und Eigenarten der gewählten Hundeart und auch Rasse auseinandersetzen. Häufig werden Hunderassen nämlich hauptsächlich wegen ihres Aussehens gewählt. Viele der Verhaltensweisen, die die Hunde dann später bei ihren Besitzern zeigen, sind oftmals von diesen nicht gewollt und werden als störend empfunden. Und dabei sind die gezeigten Eigenschaften gar nicht rasse-untypisch. Sehr oft sind die Besitzer dann aber mit den Hunden überfordert. Dann hilft oftmals nur noch das Einholen von professioneller Hilfe. Dabei handelt es sich häufig eben um das Zeigen von rassetypischen Eigenschaften. 

 

Wie alle anderen Hundearten haben auch Hütehunde im Allgemeinen und die Belgischen Schäferhunde im Speziellen ganz besonderen Eigenschaften. Und dabei ist es fast egal, welche Rasse man sich anschaut. Hütehunde sind in der Regel Hunde mit großen Trieben. Zu nennen sind hier zum Beispiel der Hütetrieb aber natürlich auch der Jagd- und Beutetrieb. Beide bedingen sich quasi. Hütehunde arbeiten in erster Linie mit ihren Augen. Zwar schließt das die Nasenarbeit natürlich nicht aus, aber Hütehunde sind Sichtjäger. Sobald sich etwas in ihrem Sichtfeld bewegt, sind sie sofort „on fire“ und sie achten stark auf alles, was sich in irgendeiner Art und Weise bewegt. Bei meinem Hund Leon zeigte sich dies bereits früh, wenn er Vögel sah. Dann wollte er diesen hinterherrennen. Aber auch bei leblosen Objekten war dies der Fall. Blätter, die im Herbst von den Bäumen wehten, animierten ihn ebenfalls, diesen hinterher zu jagen. Dieser Trieb, sich bewegenden Objekten zu folgen, hat also vordergründig erstmal nichts damit zu tun, dass andere Tiere gejagt werden sollen. 

 

Natürlich ist auch der Hütetrieb stark ausgeprägt. Dieser zeigte sich – wieder am Beispiel meines Hundes Leon – daran, dass er versuchte, die Kinder, als sie noch klein waren, wieder „einzufangen“ und zu uns zurück zu bringen, wenn sie sich aus seiner Sicht zu weit von uns (und damit dem Rudel) entfernt hatten. Heute zeigt er dieses Verhalten, wenn sich ein anderer Hund des Rudels zu weit entfernt.

 

Damit aber nicht genug. Auch den Schutztrieb sollte man nicht außer Acht lassen. Bei den Belgischen Schäferhunden ist dieser Schutztrieb stark ausgeprägt. Für den Besitzer bedeutet es im positiven Sinn, dass er sich immer auf seinen Hund verlassen kann. Für unser Rudel kann ich sagen, dass vermutlich alle unsere Hunde für uns durchs Feuer gehen würden, sprich, dass sie uns in jedem Falle immer verteidigen würden. Bei jeder Bewegung, die für die Hunde eine Bedrohung darstellt, sind sie sofort „da“. Für andere Menschen kann dies im negativen Sinn aber auch bedrohlich wirken. Wer nicht sicher im Umgang mit Hunden ist, könnte im schlimmsten Fall auch „falsch“ reagieren.Unabhängig von den Trieben der Hunde haben die Belgischen Schäferhunde aber auch noch andere ausgeprägte Eigenarten, die man als (zukünftiger) Besitzer kennen sollte, um eben auch Situationen im Alltag besser einordnen zu können. So sind Belgische Schäferhunde fremden Menschen prinzipiell erstmal misstrauisch gegenüber. Sie sind distanziert und eher abwartend. Sie haben eine verhältnismäßig große Individualdistanz. Dies zeigt sich darin, dass sie – egal ob Mensch oder Tier – auch mal knurren oder grummeln, wenn sich das Lebewesen ihnen zu stark nähert. 

 

Die Distanziertheit und auch das Anzeigen von Situationen, mit denen sich der Hund nicht wohl fühlt, in denen er seine Gefühle mit Knurren oder auch Bellen anzeigt, werden von Menschen, die mit der Rasse nicht so vertraut sind, oftmals als aggressiv empfunden. Tatsächlich ist Aggressivität nicht per se etwas Schlechtes, denn sie gehört zum Leben eines Hundes dazu, um überleben zu können. Das Zeigen dieses Verhaltens ist aber in der heutigen Zeit nicht gewünscht. Jeder möchte nur Hunde sehen und erleben, die quasi „weichgespült“ sind. Aggressivität passt nicht ins moderne Bild, das Menschen von Hunden haben. Tatsächlich ist aber auch die Eigenschaft, dass ein Hund sein Unwohlsein mit bestimmten Lebewesen durch entsprechende Äußerungen zeigt, eher rassetypisch.

 

Eine weitere Eigenheit 

 

Auch die Impulskontrolle ist nicht so ganz einfach, und es sollte auf jeden Fall an ihr gearbeitet werden. Aus meiner Erfahrung heraus haben die Hunde wenig Geduld und häufig (wohlgemerkt: nicht immer) eine sogenannte kurze „Zündschnur“.

 

Die Frustationstoleranz kann bei Belgischen Schäferhunden sehr gering sein.

 

Wichtig ist es, Belgische Schäferhunde zu arbeiten, sie also mit mehr oder weniger sinnvollen Tätigkeiten zu beschäftigen. Sind die Hunde nicht ausgelastet, so kann es passieren, dass sie sich selbst eine Beschäftigung suchen. Und die ist oftmals nicht im Sinne ihrer Besitzer. Doch – damit da kein Missverständnis aufkommt – : die Hunde sollen nicht überbeschäftigt werden. Das aus meiner Sicht wichtigste, was die Hunde zunächst lernen sollten, ist Ruhe. Die Hunde sollen die Möglichkeit haben, abzuschalten, und sich auszuruhen. Denn wenn die Hunde pausenlos beschäftigt werden, und gar nicht abschalten können, fordern sie immer mehr Beschäftigung. Und das will und kann niemand leisten.

 

Natürlich gelten nie alle Ausprägungen und Eigenheiten für jeden Hund, jedoch können alle genannten Triebe und Eigenheiten in unterschiedlich starker Ausprägung bei den Hunden auftreten. Man sollte alles kennen, um zu wissen, ob man sich mit einem solchen Hund umgeben und auseinandersetzen möchte. Wohl gemerkt – diese Aufzählung soll nicht dazu dienen, die Rasse schlecht zu reden, oder negativ darzustellen. Es geht lediglich darum, dass sich Menschen, die sich überlegen, einen solchen Hund anzuschaffen (und vorher noch keine Berührung mit der Rasse hatten), sich dessen bewusst sind, was da auf sie zukommen kann. Nicht umsonst gelten Hunde unserer Rasse als Hunde, die eben keine Anfänger-Hunde sind. Mit viel liebevoller Konsequenz (nicht zu verwechseln mit Härte) werden aus den Welpen echt tolle Hunde, mit denen man alles machen, und auf die man sich verlassen kann. Bei entsprechend guter Erziehung werden sie nicht nur tolle Familienmitglieder, sondern auch Partner fürs Leben.