Eins grundsätzlich vorweg: dieser Artikel erhebt keinen wissenschaftlichen Anspruch. Er sollte nicht als Richtschnur, sondern eher als Empfehlung oder besser noch als Denk-Anregung verstanden werden. Er spiegelt lediglich meine eigenen Gedanken zu dieser Thematik wider.
Das Thema der richtigen Fütterung der Hunde zieht sich seit einigen Jahren durch mein Leben. Permanent (nicht immer in der gleichen Intensität) beschäftige ich mich damit, mit welchem Futter ich unsere Hunde versorgen soll. Hier haben und hatten in der Vergangenheit immer die gesundheitlichen und die Aspekte der jeweiligen Verträglichkeit den größten Raum bei den Überlegungen eingenommen. Seitdem ich die Ausbildung zum Heilpraktiker gemacht habe, und nun final auch die Ausbildung zum ganzheitlichen Ernährungsberater für Hunde abgeschlossen habe, sind aber noch weitere Aspekte bei der Ernährung hinzugekommen, nämlich die, das mit der (richtigen oder falschen) Ernährung auch beispielsweise das Verhalten der Hunde beeinflusst werden kann. Je nachdem was ich für einen Hund habe, muss ich auf entsprechende Details bei der Ernährung achten. Dies betrifft auch – und vor allem – die Fütterung der jungen Hunde im Alter von etwa 2 – 6 Monaten. Warum gerade dieses Alter? In diesem Alter wird unter anderem das Mikrobiom im Darm entwickelt. Da der Darm ein Teil des Immunsystems ist, ist also ein funktionierendes und gut entwickeltes Mikrobiom nicht nur von Vorteil, sondern überaus wichtig. Doch was ist das Mikrobiom eigentlich? Es handelt sich hierbei um die Gesamtheit aller Mikroorganismen – zu denen Bakterie, Pilze aber auch Viren gehören -, die den Hund (natürlich auch den Menschen) besiedeln. Der Darm bildet dabei den Schwerpunkt mit einer riesigen Anzahl von Bakterien. Das Mikrobiom reguliert das Immunsystem, schützt den Körper vor Krankheitserregern, unterstützt die Verdauung, beeinflusst den Stoffwechsel und synthetisiert Vitamine. Davon abgesehen werden also nicht nur der Darm und das Immunsystem durch das Futter beeinflusst, sondern auch der Alterungsprozess der Organe und damit des ganzen Hundes. Und noch weitere Details sind wichtig. Die Darmflora beeinflusst auch das Gehirn und die Psyche (Darm-Hirn-Achse). Und was noch wichtig ist, ist die Tatsache, dass das Mikrobiom von Ernährung, Stress, Lebensstil und zum Beispiel auch Antibiotika oder auch andren Medikamenten beeinflusst wird. Dies ist insofern wichtig zu wissen, weil die Darmflora nach dem Einsatz von beispielsweise Antibiotika wieder saniert werden muss. Doch betrachten wir uns erstmal die verschiedenen Hundefutter-Möglichkeiten.
Da ist zunächst mal das Trockenfutter. Der Marktanteil liegt in etwa bei 60%. Dies dürfte in erster Linie damit zusammenhängen, dass diese Futter einfach zu handhaben sind für die Hundehalter. Hinzu kommen die verhältnismäßig lange Haltbarkeit und eine für die Käufer positive Kosteneffizienz. Beim Trockenfutter werden vier Herstellungsarten unterschieden: Extrudieren, Kaltpressen, Backen und Luft- & Gefriertrocknung.
Am weitesten verbreitet ist das Extrudieren. Die Bestandteile des Futters werden zu einem Futterbrei verarbeitet und unter hoher Hitze (bis zu 200°C) und Druck durch Düsen gepresst. Vitamine und Fette werden oft nachträglich aufgesprüht, da sie die Hitze nicht überstehen würden. Die Stärke wird gut aufgeschlossen. Dies erhöht die Verdaulichkeit. Allerdings quillt das Futter im Magen des Hundes stark auf.

Beim Kaltpressen werden gemahlene und getrocknete Rohstoffe ohne Zuführen von Hitze nur mit Druck zu Pellets geformt. Beim Prozess entstehen durch Reibung Temperaturen von bis zu 90°C. Ein großer Vorteil des kaltgepressten Hundefutters ist, dass dieses im Hundemagen schneller in seine Bestandteile zerfällt, und es nicht aufquillt. Hierdurch kann das Risiko einer Magendrehung reduziert werden.

Beim Backen wird ein Futterteig verarbeitet und bei niedrigen Temperaturen (ca. 120 – 150°C) über einen langen Zeitraum gebacken. Ein großer Vorteil dieser Herstellungsart ist, dass das das Futter oftmals deutlich härter ist. Dies wiederum kann die Kautätigkeit des Hundes fördern, und gilt in dieser Hinsicht als besonders magenschonend.
Zum Schluss bleiben noch die Luft- und die Gefriertrocknung. Bei der Lufttrocknung werden die Zutaten über mehrere Stunden hinweg mit warmer Luft getrocknet (ca. 60 – 80°C). Bei der Gefriertrocknung wird den gefrorenen Bestandteilen die Feuchtigkeit entzogen. Die Trocknungsherstellungen gelten allgemein als die hochwertigsten aber auch teuersten Methoden, da der Rohstoffcharakter der Bestandteile am besten erhalten bleibt. Die Gefriertrocknung gilt darüber hinaus als das nährstoffschonendste Verfahren.
Das Nassfutter hat einen Marktanteil von etwa 30%. Auch bei der Herstellung von Nassfutter gibt es verschiedene Verfahren: klassische Sterilisation (Autoklavieren), Kaltabfüllung und Gefriertrocknung.
Die klassische Sterilisation ist das am weitesten gebräuchliche verfahren für Futter in der Dose, in Schalen oder in Beuteln. Die rohen oder leicht vorgewärmten Zutaten werden zerkleinert, vermischt und in entsprechende Behälter gefüllt. Diese werden luftdicht verschlossen und bei Temperaturen von über 120°C erhitzt. Das Futter gart im eigenen Saft. Dies schont sowohl Aroma als auch Nährstoffe. Das fertige Nahrungsmittel wird so steril und ist oft mehrere Jahre haltbar.
Bei der Kaltabfüllung wird die rohe Masse in die entsprechenden Behälter abgefüllt und erst danach erhitzt. Da die Struktur der Bestandteile besser erhalten bleibt, gilt die Kaltabfüllung als hochwertiger.
Grundsätzlich wird beim Feucht- oder Nassfutter nach der Konsistenz unterschieden. Es gibt Stückchen in Gelee, Mousse oder Paté (bzw. Fleischlaib).
Beim Gefriertrocknen wird auch hier dem Fleisch das Wasser, bzw. die Feuchtigkeit entzogen. Was beim Trockenfutter gilt, gilt auch hier: Vitamine und Aromen bleiben fasst vollständig erhalten. Theoretisch handelt es sich um Trockenfutter. Da dieses Futter aber vor dem Füttern mit Wasser angerührt wird, zählt es zum Nassfutter.

BARF hat einen relativ geringen Anteil an der Fütterung. Dieser liegt bei etwa 5 %. Der Aufwand – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen – ist natürlich deutlich aufwändiger als das Füttern von Trocken- oder Nassfutter. Es hat den Vorteil, dass der Hundehalter weiß, was er verfüttert und aus welchen Quellen er das Futter bezieht. Zudem kann selbst bestimmt werden, welche weitere Zutaten mit dem Fleisch zusammen verfüttert wird. Von den Kosten her ist das nicht teurer als die anderen Futterarten. Allerdings gibt es einen gravierenden Nachteil: die Protein-Quellen sind zumeist gefroren, so dass im Vorfeld entsprechende Gefriermöglichkeiten in Form einer Truhe zum Beispiel geschaffen werden müssen. Gerade wenn man mit dem Hund in den Urlaub fährt, muss man gut vorplanen.
Einen ebenfalls geringen Anteil an der Fütterung hat das Selbst-Zubereiten. Ähnlich wie BARF ist es natürlich aufwändiger für den Hundehalter – gerade auch wenn man einen Mehrhunde-Haushalt hat. ABER: man hat im Prinzip selbst in der Hand, was der Hund zu fressen bekommt. Vorteile: der Hundehalter bestimmt die einzelnen Bestandteile des Hundefutters selbst, die Bestandteile sind in der Regel hochwertiger, das Futter kann ständig variiert werden, der Hundehalter kann in jeder Lebens-Situation direkt mit der Futter-Variation auf geänderte Gegebenheiten reagieren. Nachteil sind die höheren Kosten und auch der größere Zeitaufwand beim Zubereiten des Futters. Der Hundehalter muss bereit sein, sich mit der Thematik grundsätzlich auseinanderzusetzen. Wer sich nicht mit der individuellen Futterration für seine Tiere selbst auseinandersetzen kann oder will, weil beispielsweise die Gefahr einer Unterversorgung mit bestimmten Ernährungs-Bestandteilen besteht, kann auf die Unterstützung durch Ernährungsberater zurückgreifen.
Was also das richtige Futter angeht, so lässt sich aus meiner aktuellen Sicht sagen, dass das extrudierte Trockenfutter wohl die schlechteste Lösung aus gesundheitlicher Sicht ist. Ja, ich habe auch viel und oft meinen Hunden extrudiertes Futter gefüttert. Nicht aus Bequemlichkeit, auch nicht aus Kosten-Gründen, denn für extrudiertes (laut Werbung hochqualitatives) Futter kann man durchaus viel Geld ausgeben. Viele Marken, die am Markt angeboten werden, sind sehr hochpreisig. Nichts desto trotz handelt es sich bei extrudierten Hundefuttern um hocherhitzte Futtersorten. Diese erhalten deutlich mehr AGE. Und dies sorgt nachweisbar für Folgen sowohl im Darm als auch im Immunsystem, und ebenfalls beim Alterungsprozess. Was sind AGE? AGE ist eine Abkürzung und steht für Advanced Glycation Endproducts. Sie entstehen bei der sogenannten Maillard-Reaktion. Es handelt sich hierbei um einen Prozess, der abläuft, wenn Zucker mit Proteinen oder Fetten reagiert. Bekannt ist dieser Prozess auch bei uns in der Küche: beim Backen oder Braten sorgt er für die Röstaromen oder die Bräunung. Hierbei gilt: je höher die Temperatur im Herstellungsprozess ist, und je länger die entsprechende Erhitzung dauert, desto mehr AGE werden gebildet. Aus diesem Grund sind in den extrudierten Hundefuttern besonders große Mengen an AGE enthalten. AGE gelten übrigens seit vielen Jahren auch in der Humanmedizin als wesentliche Treiber chronischer Erkrankungen. Und nicht nur das. Der AGE-Forscher Dr. David Turner, Professor an der Medical University of South Carolina in Charleston, der die letzten 20 Jahre damit verbracht hat, die biologischen Folgen und die Lebenserwartung von Lebensgewohnheiten zu untersuchen, sagt hierzu: „Ultrahochverarbeitete, AGE-reiche Futtermittel beschleunigen die Organalterung und können da Krebsrisiko erhöhen – keine Spekulation, sondern Biochemie.“ Wohl gemerkt: es geht hier nicht um Panik-Mache – davon bin ich weit entfernt. Es geht lediglich darum, den Blick für die Ernährung zu schärfen. Tatsächlich hilft es bereits, der Futterration beispielsweise täglich auch frische Komponenten beizumischen – etwas Quark oder Joghurt zum Beispiel. Der Ernährungsberater Joe Rahn schlägt ein Stufenmodell vor, mit dem man in der Praxis schlussendlich „Eat Real Food“ umsetzen kann.
Je nachdem für welches Futter man sich entscheidet, sollte dem Hundehalter bewusst sein, dass mit dem jeweiligen Futter auch beispielsweise das Verhalten des Hundes beeinflusst werden kann. Nicht umsonst ist die richtige Fütterung der Hunde beispielsweise auch Bestandteil der Verhaltenstherapie. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang eine Studie von Hillary A. Craddock und ihren Kolleginnen und Kollegen, die sich mit der phänotypischen Korrelation des Mikrobioms bei Arbeitshunden auseinandergesetzt haben. Dabei wurden im Jahr 2022 statistisch signifikante Marker des Mikrobioms für Sozialverhalten, Motivation, Ängstlichkeit und Aggression identifiziert (https://www.nature.com/articles/s41522-022-00329-5).
Einen guten Einblick in das Thema Ernährung und Verhalten kann man auch bekommen im Fachbuch „Ganzheitliche Verhaltenstherapie bei Hund und Katze“ – herausgegeben von Gisela Bolbecher und Daniela Zurr im Sonntag Verlag, Stuttgart. Und wer noch tiefer in das Thema „Ernährung des Hundes“ einsteigen möchte, der ist mit dem gleichnamigen Fachbuch von Jürgen Zentek (begründet von Helmut Meyer) aus dem Thieme Verlag, das sich mit den Grundlagen, der Fütterung und der Diätetik beschäftigt, gut beraten. Doch hier muss ich fairerweise sagen, dass dieses Buch schon sehr in die Tiefe geht. Man liest es nicht einfach nur „nebenbei“. Interessant ist hier jedenfalls, dass es zum Beispiel bei verhaltensauffälligen Hunden sinnvoll sein kann, Futter zu füttern, dass einen zwar bedarfsdeckenden, aber nicht erhöhten Eiweiß-Gehalt aufweist. Auch führte in einer Studie bei Golden Retrievern die gesonderte Zulage von Tryptophan zu einer Senkung des aggressiven Verhaltens (siehe hierzu Kapitel 7 Seite 337/338).
Was ist nun das Fazit? Als mein persönliches Fazit nehme ich mit, dass ich die Ernährung unserer Hunde (mal wieder) überdenken muss, und um eine Optimierung wohl nicht herumkomme. Ansonsten kann ich jedem nur empfehlen, sich kritisch mit dem Futter, das seinem (oder ihrem) Hund gefüttert wird, auseinanderzusetzen. Immerhin kann es auf Dauer ja nicht nur sein, dass das Verhalten des Hundes positiv beeinflusst wird, sondern dass auch der Geldbeutel etwas davon hat. Wird der Hund insgesamt gesünder ernährt, so wird der Hund auf Dauer auch gesünder sein. Und dies senkt dann wieder die Kosten, die man für tierärztliche Unterstützung berappen muss. Und das ist ja dann auch nicht das schlechteste.