(Neu-)Hundebesitzer und Halter übernehmen mit der Über-und Aufnahme eines Hundes nicht nur eine Verantwortung sondern in vielen Fällen auch spezielle Herausforderungen. Oftmals nämlich stellen sich die kleinen, süßen Fellnasen spätestens nach der Pubertät als gar nicht mehr so einfach im Umgang heraus wie man sich das im Vorfeld so gedacht, erhofft und gewünscht hat. Und häufig führt dies dazu, dass die lieben „Traum“-Hunde zu einem Albtraum werden. Dies wiederum führt dazu, dass die Hunde wieder an den Züchter zurückgegeben, anderweitig aus den dubiosesten Gründen verkauft („weitervermittelt“) werden oder im schlimmsten Fall im Tierheim landen. Doch das müsste gar nicht sein, wenn sich die Käufer vorher mit den speziellen Rasse-Eigenschaften auseinandergesetzt hätten. Viele Hunde werden nämlich nach der Optik ausgewählt, oder auch nach dem Zeitgeist. Mal waren es die Collies, die jeder glaubte haben zu müssen, zu einer anderen Zeit waren es Beagle oder in den letzten Jahren meinten ganz viele Menschen, es wäre wichtig, einen Malinois („Mali“) haben zu müssen. Aber immer ist die Frage, ob man dem gewünschten Hund auch wirklich gerecht werden kann. Nehmen wir mal im Optimal-Fall an, dass der neue Hundebesitzer sich ausreichend über die Wunsch-Rasse informiert hat, und auch willens und in der Lage ist, dem Hund in jeglicher Hinsicht gerecht zu werden. Dann sind einige wichtige Kriterien schonmal erfüllt. Nun hat man sich in alle nur erdenklichen Richtungen vorbereitet, und dem tollen, gemeinsamen Leben mit dem neuen Familienmitglied steht nichts mehr im Weg. Oder vielleicht doch?

Nun, es gibt da doch noch die eine oder andere spezielle Herausforderung, der man sich als Hundebesitzer gegebenenfalls stellen muss. Doch welche könnte das sein?

Da wäre zum Beispiel die oft genannte Impulskontrolle. Doch was bedeutet Impulskontrolle eigentlich? Unter dem Begriff Impulskontrolle verstehen wir, dass es einem Hund möglich ist, (bestimmten) Reizen zu widerstehen. Das klassische Beispiel schlechthin ist verbunden mit dem Jagdtrieb. Der Hund sieht einen Hasen und möchte diesen gerne jagen, weil er sich schnell bewegt. Der Hund widersteht dem Reiz dem Hasen zu folgen allerdings, weil er gelernt hat, bei seinem Besitzer zu bleiben. Dem einen Hund fällt diese Impulskontrolle sehr leicht. Es gibt aber auch Hunde, die sich damit unheimlich schwertun. Hier sollte man bereits in jungem Hunde-Alter darauf achten, dass die Impulskontrolle geübt wird, so dass man später keine Probleme damit hat. Der Vorteil einer funktionierenden Impulskontrolle liegt natürlich ganz klar auf dem Hund: man kann den eigenen Hund eher freilaufen lassen.

Die Frustrationstoleranz hängt eng mit der Impulskontrolle zusammen. Gemeint ist damit die Fähigkeit des Hundes unangenehme Situationen auszuhalten, oder auch bei Nicht oder Sofort-Erfüllung von Erwartungen ohne Stress oder Aggressionen oder auch sonstwie emotional zu reagieren. An der Frustrationstoleranz kann man mit seinem Hund sehr gut arbeiten, so dass ein entspannterer Alltag zwischen Mensch und Hund möglich ist. Ein Beispiel aus dem täglichen Leben ist die Fütterung des Hundes. Der Hund bekommt sein Futter hingestellt. Allerdings darf er erst fressen, wenn sein Mensch ihm dies ausdrücklich erlaubt hat. Hier zeigt sich auch der enge Zusammenhang mit der Impulskontrolle. Der Hund lernt, nicht dem Impuls nachzugeben, zum Napf zu springen, sondern erst zum Fressnapf zu gehen und zu fressen, wenn er dies auf Zeichen und/oder Freigabe darf. Hört sich vielleicht im ersten Moment komisch an, funktioniert im „echten“ Leben aber sehr gut. 

Die persönliche Individualdistanz eines Hundes beschreibt den individuellen Raum um einen Hund herum in dem er sich quasi wohl fühlt. Diesen Raum empfindet der Hund als angenehm und für sich sicher und diesen Raum fordert er auch gegenüber anderen (fremden / Rudel-fremden) Hunden oder auch Menschen und anderen Lebewesen gegenüber ein. Sobald diese Grenze unterschritten wird, empfindet der Hund dies als unangenehm oder gar bedrohlich. Dies löst in ihm Stress aus. Es gibt nun verschiedene Verhaltensweisen, mit denen der Hund darauf reagieren kann. Möglich sind ein Flucht- Meide- oder auch Drohverhalten, mit denen der Hund den nötigen Abstand zum Eindringling oder „Störenfried“ wieder herstellen möchte. Im schlimmsten Fall geht der Hund in den Angriffs-Modus über. Wie groß diese Individual-Distanz ist, hängt unter anderem vom jeweiligen Hund und auch seinem Charakter, aber auch den örtlichen Gegebenheiten und der speziellen Situation ab. Natürlich spielt es auch eine große Rolle, welches Individuum die Individualdistanz unterschreitet. Doch wie kann man wissen, wie groß die persönliche Individualdistanz des Hundes ist? Hierzu ist es elementar wichtig, seinen Hund und dessen Körpersprache lesen zu können. Für Menschen ist es nicht unbedingt einfach, aber sehr wichtig diese Individualdistanz des Hundes zu akzeptieren. Dies ist ein wichtiger Teil der Kommunikation und des respektvollen Umgangs miteinander.

Die territoriale Motivation (oder auch das Revierverhalten) beschreibt den angeborenen Instinkt eines Hundes sein Revier – also ein bestimmtes Gebiet – mit allen darin befindlichen Ressourcen gegen Feinde (oder einfach auch nur Eindringlinge) zu verteidigen. Hütehunde wie Schäferhunde aber auch Herdenschutzhunde haben eine sehr ausgeprägte territoriale Motivation. Dieses Verhalten ist genetisch festgelegt. Es dient dazu, Sicherheit und Ressourcen – wie Futter, aber auch Schlafplätze – für sich aber auch das Rudel (welches eine soziale Gruppe darstellt) zu sichern. Es findet eine Abgrenzung gegenüber fremden Hunden aber auch Menschen statt, die als Eindringliche und potentielle Gefahr wahrgenommen werden. Entsprechende Warnverhalten wie das Anschlagen wenn Besuch kommt, Bellen, Knurren oder auch Verbellen an der Grundstücksgrenze kennzeichnen die territoriale Motivation. Diese ist nicht zwangsweise immer gleich, sondern kann durch verschiedene Faktoren (wie zum Beispiel eine entsprechende Erziehung) beeinflusst werden. Sofern dieses Verhalten nicht vom Besitzer eingegrenzt wird, kann es sich zu einer sogenannten territorialen Aggression entwickeln.

Beim Jagdtrieb handelt es sich um natürliches und angeborenes Verhaltensmuster. Dieses stammt vom Wolf ab, und beschreibt das Verlangen des Hundes Beute aufzuspüren, zu verfolgen und schlussendlich zu fangen. Dieser Instinkt ist bei den Hunderassen unterschiedlich stark ausgeprägt. Angesprochen wird dieser Instinkt sehr häufig durch Bewegungsreize, aber auch Gerüche, die der Hund mit seiner sehr feinen Nase wahrnimmt. Ob es hier nun um sich bewegende Menschen oder Tiere geht, oder ob auch einfach nur ein Blatt vom Wind durch die Luft bewegt wird: alles kann dafür sorgen, dass der Jagdtrieb angesprochen und die Jagdsequenz ausgelöst wird. Es beginnt zumeist damit, dass der Hund die Quelle ortet und sie dann zunächst fixiert. Es folgen ggfls. das Anpirschen (also das sich langsam und möglichst lautlos nähern) und das Hetzen. Bei manchen Hunderassen ist der Jagdtrieb stärker ausgeprägt als bei anderen. So haben Jagdhunde wie beispielsweise Terrier einen sehr stark ausgeprägten Jagdtrieb. Aber auch Rassen, bzw. Hundearten wie Hütehunde haben einen Jagdtrieb. Dies kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Häufig höre ich das Argument, dass es sich bei unseren Hunden doch um Hüte- und nicht Jagd-Hunde handelt. Daher müsste man doch davon ausgehen, dass Schäferhunde keinen oder nur einen geringen Jagdtrieb haben. Dem kann nur entgegnet werden, dass Hütehunde ja die gehütete Herde zusammenhalten müssen. Und dazu müssen sie halt auch eventuell entlaufene Herdenmitglieder einfangen. Genau hierfür benötigen dann Hütehunde eben auch ihren Jagdtrieb.

Viele Hunde sind (heutzutage) sehr nervös, was häufig aus einem hohen oder sogar überhöhten Stress-Level herrührt. Auch dies führt im Alltag häufig zu Problemen. Die Ursachen sind mannigfaltig. Und man benötigt viel Geduld, um zum einen den Ursachen auf den Grund zu gehen, und zum anderen an der Behebung der Ursachen zu arbeiten. Wichtig dabei ist tatsächlich, dass man als Hundehalter hier wirklich äußerst geduldig agiert. Doch auch dies ist ein Punkt, der separat beleuchtet werden sollte. Zu umfangreich ist dieses Thema.

Sehr spezielle Herausforderungen kommen auf einen Hundebesitzer zu, wenn mehrere der vorgenannten Eigenschaften und/oder Triebe beim Hund gleichzeitig zu Tage treten. Zugegeben: dass alle Punkte gleichzeitig auftreten, ist eher nicht die Regel. Zum Glück. Aber ausschließen kann man das eben auch nicht. Und hier dann die Ursache für das gezeigte Verhalten zu eruieren ist sehr schwierig und auch Experten wie beispielsweise Hundetrainer stoßen hier oft an ihre Grenzen. Schließlich müssen ja zu den gezeigten individuellen Verhaltensmustern auch noch die typischen Rasseeigenschaften mitberücksichtigt werden. Und Hundetrainer können unmöglich alle mehr als 400 existierenden Hunderassen kennen. Hier kann man nur mit ganz ganz viel Geduld mit dem Hund arbeiten. Hat man nicht bereits in Jugend-Tagen des Hundes ausreichend an diesen Themen gearbeitet, so wird es erfahrungsgemäß mit dem Alter immer schwieriger. Denn: je älter ein Hund ist, desto verfestigter sind seine Verhaltensweisen. Wohl gemerkt: man kann dies alles in den Griff bekommen. Allerdings muss man selbst auch mit sich selbst sehr konsequent sein. Und auch das ist nicht immer einfach. Und noch eine Erkenntnis ist sehr wichtig: es sind längst nicht alle Hunde „Problem“-Hunde, bei denen einige dieser Eigenschaften -und dann auch noch im Verbund mit den Rasse-Eigenschaften – auftreten. Bei manchen Hunden ist dies einfach völlig normal und gehört zu ihren Grundzügen dazu. Dies zu wissen, sich klarzumachen und zu verinnerlichen, ist wichtig bevor man sich einen Hund einer bestimmten Rasse anschafft. Und wenn man im Vorfeld bereits feststellt, das da Dinge im Zusammenleben mit einem Hund auf einen zukommen können, die man eigentlich gar nicht mag oder möchte, so macht es durchaus Sinn, sich darüber Gedanken zu machen, ob nicht eine andere Rasse besser zu einem passen würde.