Alle Hunde einer Rasse sind gleich. Egal wie – da weiß man jedes Mal was man bekommt. Ist das so? Sie haben alle die gleichen Eigenschaften. Sie können alle das Gleiche. Und sie wollen alle das Gleiche. Nein – weit gefehlt…

Was die Belgier alle eint: sie sind wendig und schnell, sie sind intelligent, lernen schnell (auch das, was sie nicht sollen), haben ein schnelles Reaktionsvermögen und sie kommen mit wechselnden Witterungsbedingungen gut zurecht. Sie sind temperamentvoll, spielen gerne bis ins hohe Alter, sind neugierig und anpassungsfähig. Sie wollen unbedingt körperlich und geistig ausgelastet und gefordert werden. Ja, sie sind eben Arbeits-bzw. Gebrauchshunde. Sie mögen keine Härte in der Erziehung und auch keine Brutalität. Soweit das, worin sich die Belgier grundlegend gleichen. Aber es gibt eben auch deutliche Unterschiede.

Ein Rudel mit Hunden einer gleichen Rasse zu haben, gibt einem die Möglichkeit, die Hunde, deren Verhalten und deren Charakter sehr ausführlich zu beobachten. Und natürlich fängt man dann auch an die Hunde miteinander zu vergleichen. Ja – die Grundzüge der Rasse sind natürlich ähnlich, so dass es möglich ist, Grund-Charakteristika zu definieren und zu benennen. Und das ist ja auch wichtig, damit sich Menschen daran langhangeln können, um zu herauszufinden, welche Rasse am besten oder ehesten zu ihnen passt.

Hier eine provokante These: jeder Hund unserer Rasse hat die gleichen Interessen. Nein, nicht ganz. Nicht jeder Hund mag die gleichen Aktivitäten. Sicher: mit all unseren Hunden kann man prinzipiell alle Aktivitäten machen. Aber nicht jeder unserer Hunde hat an den Aktivitäten den gleichen Spaß wie ein anderer Hund aus unserem Rudel. Kleines Beispiel gefällig? Leon mochte es immer mit mir THS (Turnierhundesport) zu machen. Er liebte es, Slalom und auch die lange Hindernis-Bahn zu laufen. Das einzige „Problem“ was er hatte, war, dass ich für seine Bedürfnisse zu langsam war… 😉 Genauso mag er es, mit mir RO (Rallye Obedience) zu meistern. Er ist hier sogar etwas über-motiviert. Zum Vergleich hierzu: Omero. Omero macht das alles mit, er hat aber spürbar keinerlei Freude dabei. Also probierte ich etwas anderes mit Omero aus: Laufen am Rad. Und siehe da: er war mit Feuereifer dabei. Am Rad läuft er durch den Wald wie die sprichwörtliche Feuerwehr. Und so geht es mit den anderen Hunden des Rudels gerade weiter. Irgendwie mag jeder Hund etwas anderes. Das macht es für uns im Alltag nicht gerade einfacher. Ganz im Gegenteil.

Beim Fressen geht es weiter. Irgendwie mag jeder Hund des Rudels etwas anderes fressen. Das ist natürlich nichts, was uns vor unlösbare Herausforderungen stellt. Der eine Hund mag Trockenfutter, der nächste lieber Feuchtfutter und der dritte würde am liebsten jeden Tag ein Menü gekocht bekommen. Das ist etwas, was man gelöst bekommt.

Im Umgang mit anderen Lebewesen zeigen sich natürlich auch deutliche Unterschiede. Während Amy und Rika Menschen lieben, ist Camill Menschen gegenüber eher reserviert. Man muss sie erstmal überzeugen, dass man ein guter Mensch ist, und dass man nichts Böses im Schilde führt. Hat man sie dann für sich gewonnen, dann hat man sie zur Freundin – für immer. Leon zum Beispiel ist da eher neutral. Bei einem sind sich aber alle Hunde des Rudels einig: fremde oder andere Hunde brauchen sie alle nicht. Dies liegt aber wohl eher daran, dass alle zusammen ein Rudel sind. Sie haben eine Sprache, sie verstehen sich. Sie wissen, wie sie miteinander umgehen, kommunizieren und interagieren müssen.

In einem anderen Punkt sind unsere Hunde wieder unterschiedlich. Grundsätzlich haben sie alle einen Menschen-Bezug. Und alle kuscheln auch gerne mit uns Menschen. Dies allerdings in unterschiedlicher Intensität. Während der eine Hund sich nur ab und an mal seine Streicheleinheiten abholt, könnte der andere Hund geradezu in uns Menschen hineinkriechen.

Jeder unserer Hunde ist triebig. Das ist ja schon durch die Rasse-Eigenschaften vorgegeben. Aber – die Triebigkeit ist durchaus unterschiedlich ausgeprägt. So gibt es Hunde im Rudel, die beispielsweise einen sehr ausgeprägten Sexual-Trieb haben. Andere Hunde in unserem Rudel haben einen mehr als ausgeprägten Arbeits-Trieb. Beim Arbeiten zeigen sich demnach auch deutliche Unterschiede. Gemeint sind hier die unterschiedlichen Motivationen. Leon zum Beispiel zieht sich seine Motivation durch das Arbeiten selbst. Andere Hunde lassen sich durch Leckerlies motivieren. Und wieder andere Hunde des Rudels lassen sich durch Spielis motivieren. Es ist also alles tatsächlich individuell.

Einen großen Unterschied zeigen unsere Hunde auch in der jeweiligen Individual-Distanz. Während Leon und Orelia aber auch Amy gerne frühzeitig fremden Menschen sehr nah kommen, benötigen Camill und Omero zunächst mal deutlichen Abstand. Sie bestimmen selbst, wann sie wie nah kommen. Ähnlich sieht das auch bei anderen Hunden aus. Hier sind wiederum Amy und Rika besondere Herausforderungen. Sie müssen schon – gefühlt – auf Kilometer hinweg fremden Hunden signalisieren, dass diese deutlich zu nah sind. Ich gebe zu, dass mich dies vor besondere Herausforderungen stellt. Also, auch nur die Tatsache, dass man Hunde züchtet oder ein Rudel hat, bedeutet nicht, dass man ohne Herausforderungen durch das Hunde-Leben gehen kann. Schön wäre das.

Ähnlich wie mit der Individual-Distanz verhält es sich mit der Impuls-Kontrolle, bzw. der Geduld. Auch diese ist nicht bei all unseren Hunden gleich ausgeprägt. Aber ehrlich gesagt, kann das ja eigentlich auch nicht sein, denn auch bei mir als Hundehalter unterliegen Geduld und Impuls-Kontrolle unter anderem der Tagesform. Warum sollte dies bei den Hunden anders sein. Nichts desto trotz hat zum Beispiel Leon mehr Impuls-Kontrolle als Rika.

Im Prinzip sind die Hunde mit uns Menschen in gewisser Weise vergleichbar. Auch sie sind Individuen, die man genauso behandeln muss. Sie haben einen unterschiedlichen „Will-to-please“. Der eine will uns mehr gefallen, der andere ist eher ein „Revoluzzer“.

Ein weiterer Punkt ist die Kommunikation. Jeder unserer Hunde hat eine andere Art der Kommunikation – und dies nicht nur hier in den „eigenen vier Wänden“, sondern auch draußen. Amy beispielsweise muss immer mitteilen, dass sie jetzt gerade unterwegs ist. Das bedeutet, das sie viel bellt und auch „schreit“. Das ist mitunter schon ziemlich anstrengend. Natürlich weiß ich, dass das nicht bösartig ist, aber es nervt halt schon ziemlich häufig. Und es führt mit Sicherheit auch dazu, dass fremde Menschen, die uns, beziehungsweise in dem Fall Amy nicht kennen, einen etwas merkwürdigen – vielleicht auch falschen – Eindruck bekommen. Allerdings lässt sich beobachten, dass unter bestimmten „Rahmenbedingungen“ die Intensität der Kommunikation variiert. Ich hoffe, dass sich dies im Laufe der Zeit – wenn Amy etwas ruhiger und entspannter wird – legt. Jedenfalls ist das etwas, an dem ich versuche zu arbeiten. Andere Hunde des Rudels hört man während des Spaziergangs übrigens nie. Dies ist aber natürlich nur eine Beobachtung der „quasi verbalen“ Kommunikation. Natürlich gibt es auch eine viel subtilere Kommunikation der Hunde innerhalb des Rudels. Hier bin ich wirklich glücklich, dass ich diese beobachten kann, denn die ist wirklich für uns Menschen sehr aufschlussreich und interessant.

Alles in allem muss ich nach wie vor sagen, dass ich sowohl die Rasse als auch die einzelnen, individuellen Hunde unseres Rudels genauso liebe wie sie sind.